Spenden-Bashing Notre-Dame / Ungerechtigkeit, Neidgeschwür oder Aufklärungsmangel?

Die drei reichsten Familien spendeten sofort 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Kathedrale und das Netz überschlägt sich mit Kritik über das schnelle Engagement für ein „Gebäude“, im Vergleich zu ihrer Meinung nach deutlich wichtigeren Aufgaben. Die Gegenseite ist nicht weniger radikal in ihren Aussagen. Der Stern zum Beispiel betitelt die Kritiker als „Mittelmäßige, Neider, Besserwisser und Schlechtmacher, die das tun, was sie am besten können: rumnörgeln und die Taten anderer zerreden“.

Eine Lose-lose-Situation: Die Hetze verdirbt sowohl den Kritikern selbst als auch den Spendern die Laune, ähnliche Engagements bleiben aus und andere Projekte bekommen auch nicht mehr Gehör und Zustimmung.

Für den gescheiten Menschen stellt sich die Frage der Kritik erst gar nicht, denn die Spenden einer privaten Familie in dreifacher Millionenhöhe dankbar anzunehmen, ist schlichtweg eine Pflichtveranstaltung. Wer hier über Moral und Werte diskutieren will, darf getrost bei seiner guten Kinderstube ansetzen und damit bei „Bitte und Danke“ anfangen. Wer die Humanität durch einen Einsatz für ein Gebäude in den Hintergrund gesetzt sieht, sollte etwas tiefer einsteigen. Welcher Vorteil ergibt sich wohl aus dem für mind. 5 Jahre geplanten Wiederaufbau für die Menschen? Hier geht es nicht nur um die etwa 14 Millionen Menschen, die jährlich Notre-Dame besuchen und die Zahl wird durch das Feuer sicher nicht kleiner. Geschätzte 49 Millionen Leute bringen ihr Geld jährlich als Besucher in die Hauptstadt Frankreichs und nähren damit nicht nur den arbeitenden Hotelier und Gastronom, sondern alle mit dem Tourismus verbandelten Menschen und deren Familien. Hier wird oft der Zusammenhang übersehen, dass ein Gast nicht nur die Tickets für die Museen und den öffentlichen Nahverkehr kauft, sondern sein Besuch auch den Handwerker am Leben erhält, der die Toilette im Restaurant repariert oder die Möbel für das Hotel baut. Der Groß- und Einzelhandel der Lebensmittelindustrie wird ebenso bedient wie zahlreiche Dienstleister und Transportunternehmer. Gleiches gilt für Notre-Dame mit all seinen Mitarbeitern. Und in den nächsten Jahren darüberhinaus alle mit dem Wiederaufbau beschäftigten Unternehmer, Angestellte und ihre Familien, die wiederum Geld in den Wirtschaftskreislauf einbringen können. Ein bisschen weiter gedacht dürften die Spenden der drei reichsten Familien Frankreichs damit für ein enormes Wirtschaftspotential sorgen und im besten Fall die daraus resultierenden Spenden der profitierenden Beteiligten ein Vielfaches der jetzigen Summe betragen.

Wir sollten unseren Fokus überdenken. Diese reisserischen und hetzerischen Artikel finden weiterhin das meiste Gehör, weil wir es nun im 21. Jahrhundert immernoch versäumen, die Bildung in den Vordergrund zu stellen. Auch heute noch verkauft sich die blutige Überschrift der Bild-Zeitung am besten, weil das Volk weiter für dumm verkauft wird. Als könne der einfache Bürger die Zusammenhänge sowieso nicht begreifen. Auch wenn dem sicher nicht so ist – selbst wenn es so wäre, sollte die erste Aufgabe wohl sein, dafür zu sorgen, dass es anders wird!

In diesem Sinne heißt es wieder einmal Verantwortung übernehmen – für mehr und bessere Informationen und deren Überbringung. Denn wer mit seinen Aussagen die Menschheit spaltet, sorgt ganz sicher nicht für Verbesserung in Sachen Humanität. #MissionVerantwortung

Ihr

Bernd Kiesewetter